Zugang zum Handwerk ermöglichen und Entschleunigung bieten: Das möchten Melanie Aldrian, Dominic Rettenbacher und Theresa Oberauer mit Studio Blau in Salzburg-Elsbethen. Ich habe mit Melanie über ihre Pläne und Ton als Naturmaterial geplaudert.
Ihr habt Studio Blau zu dritt gegründet?
Genau! Studio Blau, das bin ich, Meli, gemeinsam mit Dominic und Theresa.
Was wollt ihr vermitteln?
Wir wollen den Zugang zum Handwerk ermöglichen und zeigen, wie toll das ist. Mir persönlich liegt es sehr am Herzen zu zeigen, wieviel Arbeit es ist, Keramikstücke herzustellen. Da sieht man auch, dass es ganz und gar nicht dem eigentlichen Aufwand entspricht, wenn man Tassen um 3 Euro kaufen kann. Da ist klar, dass jemand leiden muss. Wenn man einmal selber getöpfert hat, weiß man besser, was alles dahintersteckt. Mit Studio Blau wollten wir auch einen Ort schaffen, der hilft zu entschleunigen. Man legt das Smartphone beiseitegelegt und kommt ins Tun. Man spürt die Hände…
Wie unterscheidet ihr Euch von anderen DIY-Spaces?
Studio Blau ist ein offenes Studio. Man kann mit jedem Skills Level starten, arbeiten und neue Fähigkeiten erlernen. Diese kann man dann bei uns weiter ausüben und verfeinern. Wir bieten Leuten zu sehr flexiblen Öffnungszeiten die Möglichkeit, dem Töpfern nachzugehen. Sie müssen sich auch nicht selber alles anschaffen. Denn das ist ja die Challenge; Nicht jede*r hat daheim einen Raum, wo es dreckig und matschig sein kann. Nicht jede*r hat eine Töpferscheibe oder einen Brennofen. Das alles stellen wir im Studio Blau zur Verfügung. Uns ist es wichtig, aufgeschlossen zu sein. Wir lieben die Vielfalt. Das versuchen wir auch in unserem Studio vermitteln.
Was bedeutet Ton für Dich, Meli?
Ich war schon immer eine Handwerkerin. Am Mozarteum in Salzburg habe ich Textiles und Technisches Werken studiert. Ein Semester lang gab´s dort eine Keramikwerkstatt. Da bin ich richtig eingetaucht. Derzeit mache ich auch den Vorbereitungskurs zur Meisterprüfung.
Ton ist eins der ältesten Naturmaterialien, die zur Herstellung von Gebrauchsgegenständen verwendet werden. Denkt man in der Geschichte zurück, findet man vielfältige Gebrauchskeramiken. Ton ist ein Rohstoff, den man in der Natur gewinnt und sogleich verarbeiten kann. Es gibt so vielfältige Ausdrucksmöglichkeiten und man kann spontan, ohne viel Vorbereitungszeit loslegen und ein tolles Ergebnis bekommt. Wenn etwas misslingt, fängt man einfach wieder von vorne an, denn solange der Ton nicht gebrannt ist, kann man das Material super wiederverwenden. Ich glaube, man ist sich gar nicht bewusst, wo Ton uns überall umgibt und welche Geschichte(n) dahinter steckt/stecken …
Was sind deine persönlichen Inspirationsquellen?
Die finde ich in ganz alltäglichen Dingen und auch in der Natur. Für mich ist es immer spannend, wenn man Dinge umfunktioniert und neu oder anders denkt. Ich glaube mein Zugang zur Keramik war nie künstlerisch, sondern immer ein Gebrauchszugang. Mich inspirieren vor allem die einfachen Dinge.
Warum glaubst du töpfern Leute?
Ich glaube viele Leute nützen den Besuch bei uns zum Abschalten und für die Beschäftigung mit sich selbst. Die Leute brauchen und suchen da: Entschleunigung. Deswegen ist uns auch die ruhige Atmosphäre im Studio wichtig. Man kann sich in Ruhe austauschen und es ist gemütlich. Außerdem macht dein Tun Sinn, denn das Werkstück lässt sich im Alltag gleich einsetzen.
Wenn man im Studio Blau loslegen möchte…
…gibt es mehrere Möglichkeiten! Entweder stundenweise oder mit einem 10er-Block. Wir bieten auch eine Abo-Variante an. Wie bei einem Fitnessstudio kann man Monatsabos abschließen. Diese inkludieren dann eine gewisse Stundenanzahl, außerdem sind die Brenn- und Materialkosten etwas vergünstigt.
Für das freie Arbeiten bei uns ist es aber wichtig, dass man bereits Töpfer-Erfahrung hat. Da es doch Einiges zu beachten gibt, bieten wir regelmäßig Kurse auf verschiedensten Levels an. Denn ganz ohne Grundlagen entstehen leicht Schäden oder man kann die Materialauswahl nicht gut treffen.
Mit kurzer Voranmeldung kann am aber bei uns zum Bemalen „reinschneien“. Wir stellen selber Rohlinge her, die man bemalen kann. Es gibt auch To Go-Boxen mit Farben und Rohlingen nach Wahl, da kann man dann auch zu ganz individuellen Anlässen, an verschiedensten Orten kreativ werden. Bei der Gestaltung der To Go-Box haben wir an eine lustige Outdoor-Malsession im Freien gedacht (lacht).
Wer kommt zu Euch?
Die Nachfrage ist sehr groß! Zu uns kommen die verschiedensten Leute, von Kindern bis Erwachsene. Unsere älteste Abonnentin ist 86 Jahre.
Was bedeutet Nachhaltigkeit für Euch?
Wir schauen auf Ressourcen und möchten auch für das Rundherum im Schaffensprozess Awareness schaffen: Wie ist der Wasserverbrauch? Was ist mit Rohstoffen? Wie können wir Dinge verwenden, um das Meiste rauszuholen? Man wäre keine richtige Keramikerin, wenn man Ton nicht recyclen würde. Wie kann ich meine Glasuren verwenden, ohne, dass ich jedes Mal Dinge wegschmeißen muss? Wie wasche ich meine Utensilien ab, ohne daneben permanent das Wasser laufen lassen zu müssen? Wichtig ist es uns, das Bewusstsein dafür zu schaffen, um dann bewusster handeln und entscheiden zu können.
Gibt’s im Studio Momente, die euch zum Schmunzeln bringen?
Ah, ja, da gibt es Einiges! Fast schon an Slapstick grenzt der Moment, wenn der Schwamm, den man an der Töpferscheibe für die Aufbaukeramik benötigt, durch die Gegend fliegt, da sich die Scheibe weiterdreht, während man mal kurz innehalten möchte. Das passiert in unseren Kursen verlässlich mindestens einmal! Doch so richtig grinsen müssen wir, wenn wir uns an unserer erste große Tonlieferung erinnern, die wir im Lagerraum im Keller verstauen wollten. Das war gut eine Tonne Material! Sogar bei einem Familientreffen haben wir uns da den Kopf zerbrochen und alle haben mit überlegt, wie wir das logistisch lösen könnten. Schlussendlich haben wir eine große Rampe gebaut und den Ton langsam runtergelassen. Doch als wir fast fertig waren, bemerkten wir im Keller ein unscheinbares Fenster, das wir gut als Durchreiche hätten nutzen können… Gerade am Beginn muss sich halt Vieles einpendeln (grinst).
Link: www.studioblau.at





