Das Falter-Portrait über die Designerin Kateryna Boluch und ihr Label Kateryna Tymochko (Falter 20/22) hat mich berührt. Auf Etsy stöbere ich mich durch Katerynas Laden. Wunderschöne Kleider mit klaren Schnitten fallen mir ins Auge. Und überall ist da ein Fuchs: Mal groß und unverkennbar, eine große Schnauze oder ganz klein, ein Füchslein. Auf Krägen, Taschen oder Ärmeln. Warum ist ihr der Fuchs so wichtig? Ich möchte Kateryna kennenlernen und habe Glück: Bei einer meiner nächsten Fahrten nach Wien trifft sie sich mit mir. Wir kommen schnell ins Gespräch.

Kateryna stammt aus der westukrainischen Stadt Ternopil. Schon seit Jahren pendelt sie regelmäßig zwischen der Ukraine und Österreich. Mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich ihr Leben von einem Tag auf den anderen grundlegend verändert. Mit einem Teil ihrer Familie lebt sie nun in Wien, während ihre Eltern, weitere Familienmitglieder und viele Freunde in der Ukraine geblieben sind. Kateryna erzählt, wie sie versucht mit der Angst und Sorge um die im Kriegsgebiet verbliebenen Freunde und Verwandten umzugehen und wie der Krieg in der Ukraine auch ihren Alltag in Wien bestimmt. Mode, das Entwerfen und Gestalten sowie ihr Business helfen ihr sehr dabei nach vorne zu blicken und auch weiterhin Hoffnung zu haben.
Design, findet Kateryna, soll Menschen eine perfekte und eine magische Welt zeigen und Möglichkeiten bieten, sich auszudrücken. Mit Farben und Stoffen. Den Großteil unserer Informationen nehmen wir über die Augen auf. Warum also nicht Mode mit Bedeutung kombinieren?
Der Fuchs ist für Kateryna der Schlüssel zu dieser magischen Welt. Zu einer Märchen- und Phantasiewelt, die viele Erwachsene hinter sich gelassen haben. Ein sicherer Ort, ein Zu Hause. Ein Gefühl, das wir in unseren Erinnerungen festhalten und mit unserer Kindheit in Verbindung bringen: „Ich möchte Leuten die Möglichkeit geben zu wählen: Sie können bei meinen Kreationen „nur“ Mode haben, oder Mode mit einer Geschichte“. Sie lächelt.
Katerynas Entwürfe faszinieren durch Details: „Ich möchte schöne und komfortable Kleidung gestalten. So ist es zum Beispiel eine kleine Seitentasche, die einen Rock oder ein Kleid noch angenehmer macht. Ein kleiner Knopf am Kragen oder am Ärmel. Eine dekorative Stickerei, wie sie in der ukrainischen Tradition noch immer sehr lebendig ist. Ich liebe es in meinen Entwürfen Details und Kleinigkeiten miteinander in Verbindung zu bringen.“
Manche ihrer Kleider erinnern mit längeren Röcken an Trachten oder historische Kleider. Das ist kein Zufall. Kateryna lässt sich gerne von traditioneller Kleidung inspirieren. Und liebt es mit Naturstoffen wie Baumwolle oder Leinen zu arbeiten.
Fragt man Kateryna nach ihren Vorbildern, nennt sie Namen wie Coco Chanel, Karl Lagerfeld, John Galliano oder Tommy Hilfiger. Mode-Ikonen, mit deren Biografien und Werdegang sie sich intensiv auseinandergesetzt hat. Ist es bei Chanel der Style und der Fokus auf das Emanzipatorische, hat sich Kateryna von Coco auch inspirieren lassen, trotz Krieges zu versuchen, ihr Modebusiness aufrecht zu halten. Nicht klein beizugeben, sondern weiter zu probieren, was möglich ist. Karl Lagerfeld fasziniert Kateryna, da er vermochte Kreativität und Business in Einklang zu bringen. An John Gallianos Fashion liebt sie das Spiel mit Emotionen: „Sehr oft steckt in seinen Kreationen eine Geschichte, die er mit seinem Style, mit Farben und Formen erzählt.“ Tommy Hilfiger ist für sie auch ein Vorbild dranzubleiben: „Er arbeitete hart und es war für ihn nicht leicht. Doch er hat es geschafft.“
Mode begeisterte Kateryna schon als Mädchen: „Bereits im Volksschulalter habe ich Mode gemacht und für meine Puppen Kleider gestaltet. Immer neue Kreationen. Und was schön war: Die anderen Mädchen wollten diese Kleider auch haben.“
Mit vierzehn Jahren belegt Kateryna ihren ersten Nähkurs. Später, an der Universität erwarb sie schließlich viel technisches Wissen. Manches Mal aber langweilte sie sich: „Ich hätte lieber an meiner Kreativität gefeilt und da weitergearbeitet“.
Derzeit arbeitet sie an einer neuen Kollektion. „Wheat“ mit zarten Goldstickereien und fließenden Stoffen ist eine Hommage an das Weizenkorn: „Ein Erd-Kleid im besten Sinne. Ein Symbol für den Kreis des Lebens und ein Symbol für Hoffnung. Auch wenn die Umstände vielleicht nicht so günstig sind, bahnt sich das Weizenkorn seinen Weg und überlebt. Das Weizenkorn hat für die Ukraine eine wichtige und starke Bedeutung. Für mich ist Weizen aber auch eine Form des Umgangs, wie wir Krisen überstehen können. Wir entwickeln Sensitivität für die Umstände und haben Hoffnung in uns. Die Füchse bedeuten Ähnliches für mich, wenn auch aus einer magischeren, märchenhafteren Welt heraus: Wir alle sind in Verbindung miteinander. Auch wenn das Leben kriegsbedingt derzeit alles andere als planbar ist und Prozesse langsamer laufen, versuchen wir uns beschäftigt zu halten und hoffen.“
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